Die Stille der Familien

Die Familie ist die Keimzelle des Staats. Traditionell ist sie in der Vorstellung der meisten Menschen das Synonym für Geborgenheit, Sicherheit, Harmonie und Stabilität. Im Gegensatz dazu verstärkt das Wirtschaftssystem Individualisierung und Vereinzelung. Der gesellschaftliche Zusammenhalt schwindet. Familien sind höchstens noch ein überholtes Werbebild für Frühstücksmargarine. In diesem Spannungsfeld versuchen wir Formen des Zusammenlebens neu zu definieren. Statistiken zeigen, dass immer mehr Menschen nicht mehr in Familien leben. Aber wer aus der Familie raus ist, findet sich irgendwie auch außerhalb der Gesellschaft wieder. Stille liegt über diesem Thema, wenigstens so lange, bis die eigene Familie betroffen ist. 

Denn das Bild der zerfallenen Familie passt noch nicht in unsere Vorstellungswelt. Werbung und Filme zeigen die Familie als Ideal: erfolgreich, harmonisch, reich und mit viel Zeit für einander. An diesem Idealbild können wir nur scheitern. Wir fragen uns: Funktioniert die Familie heute wieder wie ein Wirtschaftsunternehmen und wir haben es nicht gemerkt? Schon in früheren Zeiten war die Familie aufgebaut wie ein Betrieb, der allen unter dem gleichen Dach lebenden Menschen Sicherheit versprach und dafür unbedingte Aufopferung forderte. Wir fragen weiter: Fühlen sich deshalb alle, die aus der Familie raus sind, frei? 

Für „MIKROTHEATER II: Die Stille der Familie“ werden filmische Porträts von Menschen mit außerfamiliären Perspektiven produziert. Die Aufführung dieses dokumentarischen Materials begleitet das Citizen.KANE.Kollektiv live mit einer musikalischen Performance. Musik und Texte verstärken das Gesehene und erzählen Geschichten, die sonst ungehört bleiben. Aufgeführt wird diese Mixed-MediaPerformance in der Friedenau im Stuttgarter Osten. Diese altehrwürdige Gastwirtschaft mit angeschlossenem Festsaal wird ansonsten für Familienfeiern  genutzt.